Wo alles begann:
Bilder aus einer lange vergangenen Zeit:
Die EBOE in den 1960er/1970er Jahren.
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Ich habe lange überlegt, ob ich die folgenden Fotos wirklich zeigen soll. Sie stammen aus einer Zeit, da ich das Fotografieren gerade erst lernte und mit dem Tipp "Bei Sonne Hundertfünfundzwanzigstel, Blende 8" auskommen musste.
Leider schien aber auch in den 1960er Sommern nicht immer die Sonne, vielmehr erinnert mich der 2008er Sommer ziemlich genau an jene Zeit.
Dennoch: Beim Anschauen dieser alten Fotos wird es mir auf eine angenehme Art und Weise regelmäßig "anders": Wie anders war doch jene Zeit - nicht nur, was die Bahn betrifft -, aber letztlich wollen wir doch bei diesem Thema bleiben.
Die EBOE, später nur noch EBO, war eine einstmals stolze Privatbahn, welche über eine Strecke von ca. 52 Kilometern die Städte Elmshorn und Bad Oldesloe verband. Barmstedt, wo die meisten dieser Aufnahmen entstanden (der Geburtsort des Autors), war bedeutendster Zwischenbahnhof mit dem "BW" (siehe oben) und hohem Güterverkehrsaufkommen.
Dieses Foto, entstanden bereits nach der Teil-Stilllegung Anfang der 1970er Jahre, zeigt, dass immer noch zwei Waggons am Güterschuppen stehen, um das umfangreiche Stückgut umzuschlagen. Inzwischen ist der Güterschuppen längst abgerissen.
Die EBO war eine typische Privatbahn mit einem gemischten, über die Jahre zusammen gekauften Triebwagenbestand, einer MaK-Güterzuglok und einer Köf zum Rangieren in Barmstedt sowie für Bauzugeinsätze. Heute unvorstellbar: Die Lok verfügte lediglich über eine mechanisch betätigte Fußbremse, dennoch ist meines Wissens nie etwas passiert.
Apropos passiert: Der gesamte Betrieb wurde über Funk abgewickelt. Im Barmstedter Bahnhof (der im Bild sichtbare Güterschuppen wurde inzwischen abgerissen) befand sich die Zugleitung (die Funkantenne ist im Hintergrund zu sehen), und alle Fahrten wurden von hier aus gesteuert. Auch dabei ist meines Wissens nie etwas schief gegangen - während zumindest eine süddeutsche Privatbahn mit diesem Verfahren einige spektakuläre Crashs gebaut hat.
Höhepunkt für den noch jungen Bahnfan war der tägliche Güterzug. Nachdem die Lok einen Schülerzug, bestehend aus sehenswerten, uralten Plattformwagen, nach Elmshorn gebracht hatte, setzte ihr eine DB-Rangierlok (das gab es damals in Elmshorn noch) den Güterzug dahinter, und zurück ging es nach Barmstedt. Hier wurden die Personenwagen abgestellt, dafür der Packwagen (siehe Foto) angehängt. Dieser lief zum Transport des Personals (Zugführer und Rangierer) nur zwischen Barmstedt und Bad Oldesloe, um das Umsetzen im engen Elmshorner Bahnhof zu sparen.
Dann wurde - oft zusammen mit der Köf - rangiert. Ein Aufkommen von 10 oder mehr Wagen war eher die Regel als die Ausnahme in Barmstedt; es gab damals noch vier Firmen mit eigenen Anschlussgleisen sowie etliches Aufkommen an Güterschuppen, Ladestraße und Kopframpe.
Foto: Das ehemalige BW in Wakendorf-Götzberg
Ich hatte mehrmals Gelegenheit, auf dem Güterzug mitzufahren. Auf jedem Unterwegsbahnhof wurde rangiert, der Stückgutwagen musste an die Rampe, und oft mussten wir auf die Seite, um einen Triebwagen passieren zu lassen.
Hauptladegüter waren Düngemittel, Brennstoffe sowie Landwirtschaftliche Geräte. Ende der 1960er Jahre gab es einen lebhaften Verkehr mit Düngemitteln aus der chemischen Industrie an der Elbe in Richtung Lübeck/DDR; in der Gegenrichtung wurden lange Züge mit Braunkohlenbriketts aus dem Osten nach Elmshorn befördert. Leistungen, der die V 3.022 auf Dauer nicht gewachsen war.
Wie das Foto zeigt, war auch die neue Deutz-Lok V 3.023, welche wegen des Mehrverkehrs angeschafft worden war, anfangs gut ausgelastet.
Auch der Packwagen (Pwg 3.103) war noch im Einsatz, doch mit dem Wegfall der durchgehenden Transporte begannen dunkle Wolken über der EBO aufzuziehen.
Die Altfahrzeuge (im Foto VT 3.03 und V 3.021) waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Abstellgleise geschoben worden, wie ich per Zufall symbolisch in diesem Foto festhalten durfte.
Die Gleislage (große Teile der Strecke lagen immer noch in Sandbettung) hatte sich durch mangelnde Unterhaltung stark verschlechtert. Die im obigen Foto gezeigten Gleise waren zum Aufnahmezeitpunkt noch in Betrieb! Der Personenverkehr von Barmstedt ostwärts wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt, und auch der Güterzug durfte nur weiter verkehren mit der Auflage, am Ende einen "Aufsichtswagen" mitzuführen, aus dem bei eventuellen Entgleisungen sofort eine Notbremsung ausgelöst werden sollte.
Der Rest ist Geschichte. 1973 wurde der Gesamtverkehr östlich von Barmstedt eingestellt und die Gleise größtenteils abgebaut. Die EBO ging in der AKN auf, und die Fahrzeuge wurden fürderhin in Kaltenkirchen unterhalten. Das war ein Glücksfall, denn zu diesem Zweck (Überführungsfahrten) musste die Strecke von Barmstedt bis Ulzburg aufgearbeitet und betriebsbereit gehalten werden.
Inzwischen fahren dort wieder Züge (VT2e der AKN) im Stundentakt, und die Haltepunkte wurden modernisiert. Natürlich herrscht auch zwischen Barmstedt und Elmshorn wie früher reger Verkehr.
Von der "alten" EBO ist nicht viel geblieben. Der Barmstedter Güterschuppen wurde ebenso abgerissen wie der Lokschuppen, planmäßigen Güterverkehr gibt es nicht mehr. Die MaK-Lok ging zur AKN und wurde dort nach einem Unfall verschrottet. Der kleine VT 3.03 ging noch zu einer holländischen Museumsbahn, wurde dort aber später verschrottet. Ein noch traurigeres Schicksal ereilte VT 3.04.
Zuverlässig: So war die Bahn (nicht nur die EBO) früher: Auch wenn es in Strömen regnet, das eilige Expressgut muss noch mit nach Elmshorn. Für die Jüngeren, die nicht wissen, was das ist, gibt es Erklärungen hier.

Erhalten geblieben sind lediglich einige der einmotorigen Uerdinger Schienenbusse. Zwei davon unterhält die AKN für Sonderfahrten, einige gingen zusammen mit VB und VS an die Dürener Kreisbahn, ihr heutiger Aufenthaltsort ist mir nicht bekannt. Dunkel glaube ich mich zu erinnern, dass ich Pwg 3.103 einmal in einem norddeutschen Eisenbahnmuseum gesehen habe - ob er es wirklich war und ob es ihn noch gibt, entzieht sich meiner Erinnerung und Kenntnis.
Wer mehr weiß - ich freue mich über Ergänzungen.
(c) Jörn Schramm - Stand: Dezember 2013

Zu diesem Triebwagen und seiner Geschichte gibt es eine eigene Seite hier.